Quassia-Amara

Namensgebung

Der Bitterholzbaum hat eine ganz besondere Verbindung zu Schweden. Abgesehen davon, dass unsere schwedischen Tonics ihre unverwechselbar bittere Note dieser Pflanze zu verdanken haben, stammt auch der botanische Name „Quassia amara“ von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707-1778). Dieser benannte die Pflanze nach einem Sklaven mit dem Namen Quassi, der das Geheimnis um die fiebersenkende Wirkung des Bitterholzbaumes kannte und preisgab [1; 2]. Der Artname „amara“ ist lateinisch für bitter und verweist auf den bitteren Geschmack der Pflanze. 

Geschichte der Quassia Amara

Ursprünglich stammt die zu den Bittereschengewächsen (Fam. Simaroubaceae) gehörende Pflanze aus süd- und nordamerikanischen Ländern wie Surinam, Nordbrasilien, Panama und Guyana [3]. Schon lange bevor Kolumbus 1492 Amerika entdeckte, wurde der Quassia Amara dort von den Ureinwohnern als Heilpflanze, besonders bei Fieber, genutzt. Indios nahmen sich sogar auf Reisen ein Stück seines Holzes mit [4], also eine Art kleine „Reiseapotheke“.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Bitterholzbaum dann vor allem durch den deutschen Mediziner Johann Gottfried Rademacher (1772-1850) als Mittel gegen Leberleiden bekannt. In einer seiner Schriften schreibt er: “Es gibt in der Natur einen krankhaften Zustand der Leber, welcher durch den destillierten Stoff der Quassia […] zum Normalzustande zurückgeführt wird.“ [5]. 

Inhaltsstoffe & heutige Verwendung

Für den bitteren Geschmack der Pflanze sind vor allem die vorhandenen Quassinoide verantwortlich, wobei Quassin die Hauptkomponente darstellt. Sie wirken unter anderem antimikrobiell und wurden volksheilkundlich gegen Malaria eingesetzt. Eine Studie aus dem Jahr 2005 bestätigte, dass eine traditionelle Zubereitung der Quassia amara das Wachstum von Malariaerregern hemmen kann [6].

In der Naturheilkunde wird auch heute noch Gebrauch von der Quassia amara gemacht. Durch den hohen Bitterwert wir die Sekretion von Magen- und Gallensäure erhöht sowie der Speichelfluss angeregt. Somit wird es bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähbauch, aber auch bei Appetitlosigkeit, insbesondere bei Anorexie, eingesetzt. 

& der Weg der Quassia Amara in unsere Tonics..

Tonics sind traditionell bittere Getränke. Das englische Wort „tonic“ lässt sich mit „stärkend, kräftigend“ übersetzen. Das tonic water ist ursprünglich eine Erfindung der Briten während der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert. Zum Schutz vor Malaria in Indien wurde der britischen Armee Chinin, ein bitteres Alkaloid des „Fieberbaumes“, verabreicht. Ähnlich wie die Quassinoide des Quassia Amara wirkt auch Chinin gegen Malariaerreger. Die verabreichte Medizin war allerdings so bitter, dass die Briten mit der Zeit Zucker und Zitrone, später auch Soda zum verordneten Chinin mischten. Die Geburtsstunde des tonic water. Später wurde auch Gin hinzugefügt, was zum heutigen Kultgetränk „gin tonic“ führte. 

Für unsere schwedischen Tonics verwenden wir den Bitterstoff Quassin, welcher einen 65-mal höheren Bitterwert als Chinin enthält. 

Wusstest du…?

Wusstest du, dass die Quassia Amara auch „Fliegenholz“ genannt wird? Als natürliches Insektizid wird die Pflanze in Deutschland in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt. 

 

Referenzen

1 Dulk FP. Die preußische Pharmakopöe. Voß, 1833.

2 Hager H (ed.). Commentar zur Pharmacopoea Germanica. Zweiter Band. Berlin, Heidelberg, s.l.: Springer Berlin Heidelberg, 1884.

3 Vonarburg B. Homöotanik: Extravagante Exoten. Bd. 4. Haug, 2005.

4 Bäumler S. Heilpflanzen-Praxis heute: Porträts, Rezepturen, Anwendung. Elsevier, Urban & Fischer, 2007.

5 Rademacher JG. Rechtfertigung der von den Gelehrten misskannten: verstandesrechten Erfahrungsheillehre der alten scheidekünstigen Geheimärzte und treue Mittheilung des Ergebnisses einer 25 jährigen Erprobung deiser Lehre am Krankenbette. De Gruyter, Incorporated, 1851.

6 Bertani S, Bourdy G, Landau I et al. Evaluation of French Guiana traditional antimalarial remedies. J Ethnopharmacol 2005;98:45–54.

 

Zu den Tonics

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